Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

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Auf einer Landstraße quer durch Peru

Also Jupp, nun paß einmal gut auf! Jetzt erlebst Du vom Auto aus einen Kulturfilm "Quer durch Peru". Am Osthang der Anden, dort, wo genügend Regen fällt und die Flüsse alle zum Amazonas fließen, werden in modernsten Plantagen Tee und Apfelsinen, Tropenweizen und Tomaten, Ölpalmen und Reis angebaut. Weiter nach Westen kommen wir durch ein Gebiet, wo man vor Jahrzehnten Erdöl gebohrt hat. Wir überqueren dann einen tief in eine Felsschlucht eingeschnittenen Paß. Dort drüben wird Chinchona angebaut, aus dessen Rinde das für die Heilkunde wichtige Chinin gewonnen wird. Auf dem sehr fruchtbaren Schwemmland einer alten Hacienda sind Kulturen von Orangen und Kakao, Kaffee und Zuckerrohr zu sehen. Jetzt klettert die Straße steil in die Berge. Auf etwa 100 Kilometer müssen 2600 Meter Steigung überwunden werden. Schafe in dickem Wollpelz weiden auf den mageren Hochebenen. Schon wieder geht es in ein Längstal hinab. Im Talkessel liegt ein großes Hüttenwerk, noch immer über 3000 Meter hoch. Die dünne Luft ist so durch Abgase vergiftet, daß die Menschen Tücher vorm Mund tragen müssen. Wieder geht es bergauf. Da drüben liegen Erzbergwerke. Am Straßenrand ziehen Quetschua=Indianer in ihrer bunten Kleidung an uns vorbei. Jetzt senkt sich die Straße über die Küstenberge dem Stillen Ozean zu. Nur die feuchten Nebel im Winter lassen hier einen kargen Pflanzenwuchs sprießen.

Unter uns dehnt sich die regenlose Wüste. Seltsam, hat dort drüben der Sturm die Dächer von den Indianerhäusern weggetragen? Nein, die haben gar keine. Wozu auch, wenn seit Menschengedenken kein Regen mehr gefallen ist! Da drüben die Küste! Weiter draußen die Brandung mit weißem Gischt. Eine öde Felsenküste ohne Baum und Strauch. Nur wieder unzählige Vögel und - durchs Glas deutlich zu erkennen - Mengen von Seelöwen, die träge in der Sonne liegen. Noch eine kurze Strecke - und wir sind in Lima, der Hauptstadt von Peru.

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Schrumpfköpfe als Reiseandenken

Lima ist eine schöne Stadt, die mitten in einer öden Gegend liegt, an der Steilküste des Ozeans mit Gärten und Anlagen, altspanischen Palästen und modernen Geschäftsstraßen. Ja, Jupp, und jetzt kommt wieder etwas, wovon Du sicher annimmst, das hätte ich mir nur ausgedacht. Aber ich hab' ihn wirklich gesehen: einen echten Indianerschrumpfkopf nämlich, so groß wie eine Faust; es sind besonders präparierte Menschenköpfe, die dadurch so klein werden. Wir sahen einen im Museum. Möchtest Du gern einen als Schreibtischschmuck haben? Na, lieber nicht! Ich habe mich schrecklich geekelt. Von nahebei sehen diese Köpfe wirklich gespenstisch aus.

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